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pavillon für eine schauspielschule




PAVILLON FÜR EINE SCHAUSPIELSCHULE ist eine architektonisch anmutende multisensorisch erfahrbare Großskulptur, deren unterschiedliche Bedeutungsmöglichkeiten sich im alltäglichen Gebrauch erschließen. Zugleich bildet das Objekt einen realen Ort aus, der eine temporäre Rückzugsmöglichkeit für Studierende schafft, ihnen Platz zur Erholung bietet und mittels des Herstellens unterschiedlicher räumlicher Situationen, sowie des Schaffens subtiler Blickbeziehungen zwischen diesen, zu Begegnung, Kommunikation und selbstbestimmter Aktion anregt.  

Der Entwurf entstand im Rahmen des Gestaltungswettbewerbs 'Neubau der Ernst-Busch-Schauspielschule, Berlin'. Er wurde aus den örtlichen Gegebenheiten und speziell für diese (wie: limitierter Platz im Außengelände, Bezugnahme auf die neu gestaltete Fassade der Schauspielschule, Berücksichtigung der Himmelsrichtungen, der umgebenden urbanen Einbettung u.a.) entwickelt. Er erhielt eine Auszeichnung. (Abbildungen: Fotos des Modells im Maßstab 1:10)



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Titel und einzelne räumliche Situationen

Der Titel des Pavillons lautet Objekt zur Beobachtung des allmählichen Wachstums eines Baumes mit integriertem Freiraum und Aussichtsterrasse. Er steht in bewusstem Spannungsverhältnis zur minimalistischen Formensprache des Pavillons. Die einzelnen Bestandteile des Titels korrespondieren mit den drei unterschiedlichen räumlichen Situationen, die der Pavillon in sich vereint. Es besteht kein Zwang, ihn auf das Objekt anzuwenden. Vielmehr stellt er ein Angebot dar, ihn im Hinblick auf den eigenen Alltag als Schauspielstudent*in immer wieder aufs Neue für sich zu interpretieren.




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Objekt zur Beobachtung des allmählichen Wachstums eines Baumes

Der erste Abschnitt des Titels bezieht sich auf die räumliche Situation auf der Vorderseite des Pavillons. Zwei Bankreihen stehen einander gegenüber und bilden gemeinsam mit der Längsseite des Pavillons eine U-Form. Sie laden zum Sitzen und Verweilen ein. Gespräche und sozialer Austausch in der Atmosphäre eines von Schauspielschule und Pavillon eingerahmten geschützten Innenhofs werden so möglich. In der Mitte zwischen den Bänken steht ein Baum, der den zentralen Blickpunkt der räumlichen Situation bildet. Der Titel fordert die Studierenden zu etwas für sie einerseits Alltäglichem, andererseits Ungewöhnlichem auf: Statt sich, wie sonst in ihrem Studienalltag üblich, in fiktionale Charaktere, also in andere Menschen, hineinzuversetzen, sollen sie sich hier in einen Baum und dessen allmähliches Wachstum hineinversetzen.

Aussichtsterrasse

Auf der Rückseite des Pavillons, im Süd-Westen gelegen, befindet sich eine Aussichtsterrasse. Sie bietet Raum sich im Licht der Nachmittags- und Abendsonne zu erholen. Die Terrasse kann unterschiedlich interpretiert werden: als optimistischer Ort, an dem ein Blick auf die erhoffte Zukunft als erfolgreiche Schauspieler*in, vielleicht gar als Star, möglich ist; oder etwa als ironisch gebrochener Ort, der sich mit der Realität gegebener Perspektiven (konkret: der Realität der umgebenden Bebauung, die keinen freien Blick auf den Sonnenuntergang zulässt) abzufinden hat.

Integrierter Freiraum

Der integrierte Freiraum liegt im oberen Stockwerk des Pavillons und ist über eine Treppe zu erreichen. Es handelt sich um einen länglichen Raum, der zum Hin- und Hergehen oder einfach zum stillen Sitzen einlädt. Je nach Jahreszeit, Uhrzeit und Wetter wird er von einem anderen, stets wechselnden Lichtspiel erfüllt. Wie die Studierenden den Freiraum für sich übertragen und ganz konkret interpretieren, ist ihnen überlassen. Sie können ihn im Sinn eines inneren Freiraums zum Meditieren und stillen Lesen nutzen; oder im Sinn eines äußeren Freiraums für studentische Aktionen. Wichtig dabei ist, dass der Freiraum - im Gegensatz zum Hochschulneubau, in dem jeder Raum eine klar festgelegte Funktion besitzt - sich, so wie der übrige Pavillon, einer Nutzungszuschreibung, somit 'Nutzbarkeit' oder 'Verwertbarkeit', entzieht.  




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Benno Hinkes © Kunst und öffentlicher Raum - Pavillon für eine Schauspielschule