Bild "Benno-Hinkes-Installation-Spanienkämpfer-Denkmal-1.jpg"            


installation für das spanienkämpferdenkmal berlin




Zum Wettbewerb: Im Volkspark-Friedrichshain, Berlin befindet sich ein Denkmal aus DDR-Zeiten. Es ist den Internationalen Brigaden gewidmet, also den Freiwilligen aus aller Welt, die im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39) auf Seiten der demokratischen Spanischen Republik gegen einen vom italienischen Faschismus und deutschen Nationalsozialismus unterstützten Umsturzversuch des Militärs, insbesondere General Francos, kämpften. Das Denkmal ist das einzige Denkmal in Deutschland, das diesem Anlass gewidmet ist. Allerdings wird es heute kaum mehr wahrgenommen bzw. - auf Grund seiner in der DDR noch selbstverständlichen, heute hingegen kaum mehr vertrauten Ikonografie - verstanden. Daher ist eine künstlerische Kommentierung geplant, die das Denkmal wieder verstärkt ins öffentliche Bewusstsein rücken und seine Inhalte anschaulich vermitteln soll.


Der im Zuge eines eingeladenen Wettbewerbs entwickelte Entwurf (Benno Hinkes; künstlerische Mitarbeit: Regina Weiss; Elektrotechnik: Gabriel Artavia) erreichte den ersten Platz und erhielt eine Realisierungsempfehlung. Er sieht die Errichtung eines installativen Ensembles vor, bestehend aus einer Parkbank und einer Laterne. Beide Objekte sind formal auf die Gestaltung des Denkmals abgestimmt. Sie funktionieren wie Ready-mades, wie minimalistische Skulpturen im Gewandt von alltäglichen Gegenständen. Gleichzeitig erfüllen sie eine Funktion: Es gibt viele Passanten, die Tag für Tag achtlos am Denkmal vorbeigehen - auf dem Weg zur Straßenbahn, beim Spazierengehen oder Joggen.


Bild "Benno-Hinkes-Installation-Spanienkämpfer-Denkmal-2.jpg"



In dem Bank/Laterne-Ensemble ist eine Mikroelektronik versteckt. Bewegt sich eine Person auf dem Gehweg an dem Ensemble vorbei, erklingt ein akustisches Signal (der gepfiffene Anfang einer Melodie, angedacht: die ersten Töne von 'El Himno de Riego', der ehemaligen Hymne der Spanischen Republik). Neugierig geworden nähert sich die Person der Bank. In diesem Moment setzt ein Hörstück ein, das zunächst in der Art eines Audioguides in sachlich-nüchternem Tonfall Informationen über das Denkmal gibt. Die Passant_innen setzen sich und beginnen zu lauschen.

Nach einiger Zeit geschieht etwas Unerwartetes. In die akustische Information schalten sich weitere Stimmen ein – vermeintlich andere Passant_innen, die neugierig geworden näher gekommen sind und nun ebenfalls zuhören (de facto kommen ihre Stimmen aus einem zweiten versteckten Lautsprecher, integriert in das hintere Drittel der Bank). Sie kommentieren das, was sie hören, stimmen zu oder widersprechen. Dabei entspinnt sich phasenweise ein Gespräch zwischen ihnen bzw. findet eine Kommunikation im Dreieck statt, zwischen ihnen und der Stimme der offiziellen Informationsvermittlung.




Bild "Benno-Hinkes-Installation-für-Spanienkämpfer-timeline-des-Hörstücks.jpg"




  
Durch den Chor der Stimmen wird der eindimensionalen Geschichte, die das Denkmal erzählt, eine weitere Ebene hinzugefügt. Es bilden sich Schwerpunkte zu einzelnen Themenkomplexen heraus, die heutige und künftige Besucher_Innen besonders zu interessieren versprechen (Rolle von Frauen, Künstlern, Anarchisten, Menschen mit jüdischem Hintergrund, die in Spanien gegen den deutschen Nationalsozialismus kämpften). Zugleich wird durch die unterschiedlichen Positionen, die die Protagonisten des Stücks beziehen, die staatstragende Rolle, die das Denkmal zu DDR-Zeiten spielte, kritisch beleuchtet und hinterfragt. (Abbildung oben: illustrierte Timeline des Hörstücks)  




Bild "Benno-Hinkes-Installation-Spanienkämpfer-Denkmal-3.jpg"  



Durch die ergänzende zeitgenössische Installation wird die Situation vor Ort umgekehrt: Statt eines Denkmals, das in erster Linie für Massenveranstaltungen (offizielle Gedenkfeiern) konzipiert war und eine lineare Geschichtserzählung vorgibt, werden die Passant_innen als Individuen ins Zentrum gerückt. Mit dem Bank/Laterne-Ensemble wird ihnen räumlich ein Ort im Denkmal zugewiesen. Im Bezug auf die Denkmalsthematik werden sie in die Rolle versetzt, selbst aus den unterschiedlichen Narrativen auszuwählen, sich dieser oder jener Sichtweise anzuschließen oder sie zurückzuweisen - bis hin zu der Fragestellung: Was hätte man - versetzt in eine Situation, wie sie die politische Weltlage in den 1930er Jahren darbot - selbst getan?

Allgemein ist es Ziel, das Denkmal (wieder) zu einem starken Ort der ästhetischen Erfahrung im öffentlichen Raum werden zu lassen. Ziel ist es nicht, kurzlebige Informationen zu vermitteln. Vielmehr soll mittels des installativen Ensembles und des Hörstücks eine tiefgehende Gesamterfahrung ermöglicht werden, die sich langfristig emotional und intellektuell in den Besucher_innen verankert.





Benno Hinkes © Kunst und öffentlicher Raum - Installation für das Spanienkämpferdenkmal Berlin