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deinstallation




Die Kehrseite des installativen Arbeitens ist das deInstallative Arbeiten. Jede sichtbare Installation besitzt eine unsichtbare Rückseite: ihre eigene Destruktion, die ihr konstitutiv eingeschrieben ist. Sicher, einige Installationen werden bereits heute aufwändig bewahrt. Aber das hat andere Gründe. Es widerspricht im Grunde dem, was das installative Arbeiten kennzeichnet. Dem Gedanken des in einen Umraums Einbauens, des in-stallare, des Einsetzens, ist das umgekehrte Moment des aus dem Umraum Entfernens, des de-installare, des Herausnehmens und wieder in seine Bestandteile Zerlegens, eingeboren, ihm als prinzipielle Möglichkeit mit in die Wiege gelegt.

Man braucht die weitere Herkunft der Installation nicht im Gesamtkunstwerk mittelalterlicher Kirchbauten zu suchen, um die Gefahr eines Bildersturms, einer Zerstörung des installativ gestalteten Raums zu erkennen. Die Frage ist, von welcher Seite her diese heute droht. Versteht man Installationen als aufgespannt in einem Spannungsfeld von Einräumen und Ausräumen, so wohnt die latente Bedrohung der Zerstörung – planvoll, behutsam oder brachial, mit einem Schlag –  allem installativen Arbeiten inne. Sie ist, anders als die Installation selbst, unausräumbar. Die wahre Gefahr droht allerdings von anderer Seite her. Das ort- und kontextlose Bewahren wird heute zu dem, was einst physische Zerstörung bedeutete.  

Die freiwillige DeInstallation ist in diesem Sinn nichts anderes als die ehrlichste, die konsequenteste Variante des Umgangs mit einer dem installativen Arbeiten konstitutiv eingeschriebenen Grundverfasstheit. Zumindest, so lange Installationen nicht, wie einst die Kunst mittelalterlicher Kirchen, für konkrete Orte, an denen sie den Menschen auf Dauer im Alltag dienen, geschaffen werden, sondern für die freie Fluktuation des Kunstmarkts.    



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Benno Hinkes © Über Kunst - DeInstallation