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grenzen und übertritte



Wie ist denn der Begriff des Spiels abgeschlossen? Was ist noch Spiel und was ist keines mehr? Kannst du die Grenzen angeben? Nein. Du kannst welche ziehen: denn es sind noch keine gezogen. (Aber das hat dich noch nie gestört, wenn du das Wort »Spiel« angewendet hast.)

Ludwig Wittgenstein, Philosophisch Untersuchungen

  

Die zeitgenössische Kunst baut auf einem Axiom auf. Es besagt: Wenn ich Künstler bin und ich bin in meinem Atelier, so muss alles, was ich darin tue, Kunst sein. Dabei steht 'das Atelier' sinnbildlich für einen Raum, der in Gestalt eines Kunstkontext weit über die Grenzen des realen Ateliers hinausreicht. Räumlich gesehen ist er potentiell überall; zeitlich gesehen potentiell immer.

Wie aber kommt man in diesen magischen Zirkel hinein? Und wie wieder aus dem Teufelskreis heraus? Wie wird der mich umgebende Raum zum 'Atelier', wenn ich mich nicht vorab schon als 'Künstler' in ihm befinde, um ihn somit als solches zu definieren? Und was macht mich, den Alltagsmenschen, umgekehrt zum 'Künstler', solange ich von einem gewöhnlichen Zimmer und nicht dem kontextuellen Raum des 'Ateliers' umgeben bin?  

Es hilft nichts. Man kann nicht anders, als beiden Prämissen zugleich zuzustimmen. Man muss irgendeinen Grund bereiten, muss die vier Ecken des Spielfeldes immanent, von innen her auslegen und sich als Künstler zugleich mit dem Raum des Ateliers ausbreiten. Dabei muss man zwangsläufig Grenzen ziehen. Die allgemein anerkannten oder die Eigenen. (Auch dies ein stark überschätztes Axiom der zeitgenössischen Kunst, das besagt: Vermesse die Grenzen neu! Als ob das Neuvermessen von Grenzen schon Kunst wäre.)



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Aber: Habe ich den Grund, auf dem ich stehe, bereitet, das Spielfeld ausgelegt, die Grenzen demarkiert, so bin ich frei, das Spielfeld zu betreten oder es zu verlassen. Jede Grenzziehung birgt die Möglichkeit einer Grenzüberschreitung in sich. Das ist das Entscheidende. Denn erst die Bewegung ist es, die Grenzen im Sinn von Übergangszonen Sinn verleiht. Sämtliche Erfahrungen, die ich im Inneren gesammelt habe, nehme ich dabei nach draußen mit. So, wie ich umgekehrt all das, was das Spielfeld umgibt, beim Schritt zurück in dieses einbringe.

Vermeintlich starre Grenzen werden so, im Übertritt, durchlässig und, im wiederholten Übertritt, fließend. Sie lösen sich nicht auf. Sie werden genau dies: durchlässig und fließend. Der kontextuelle Raum des Ateliers - er verzahnt sich an seinen Rändern fest mit der Alltagswelt.



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Benno Hinkes © Über Kunst - Grenzen und Übertritte