interview zur aktuellen buchveröffentlichung








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Herr Hinkes, ihr aktuelles Buch bei uns im transcript-Verlag heißt 'Aisthetik der (gebauten) menschlichen Umwelt'. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Im Zuge aktueller Turn-Debatten (spatial turn, topological turn, material turn etc.) werden Fragen der Architektur, der Stadt, der Landschaft bereits ausgiebig diskutiert. Allerdings bleibt der Aspekt der alltäglichen Wahrnehmung dabei epistemisch unterbeleuchtet. Den Begriff der »(gebauten) menschlichen Umwelt« ins Zentrum zu rücken ermöglicht es, Gebäude, urbane Regionen, Landstriche explizit unter dem Gesichtspunkt einer alltäglichen Erfahrung zu diskutieren.

Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch fragt, was spezifisch aktuelle philosophische und künstlerische Positionen zur Erforschung der Art und Weise, wie wir gebaute Umwelten im Alltag wahrnehmen, beitragen können. Auch Kunst wird somit nicht im Sinne eines zu rezipierenden Produkts aufgefasst, sondern von der Seite des Machens her begriffen, das seinerseits weniger als »Hervorbringung von Werken«, sondern vielmehr als Erkenntnisse generierender Prozess aufgefasst wird.

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Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Hinsichtlich der Debatte um raumbezogene Fragestellungen möchte das Buch dazu beitragen, den in eine wahrgenommene Umwelt eingebetteten; physisch verfassten Menschen – recht wörtlich – ins Zentrum zu rücken. »Wahrnehmen« wird dabei nicht mechanistisch aufgefasst, sondern, in Anschluss an den altgriechischen Begriff aisthesis, als »Verstehen mittels der Sinne« oder auch, wie früher gesagt wurde, als »sinnliche Erkenntnis«. Hinsichtlich der bislang noch recht allgemein geführten Debatte um Kunst als Forschung liefert das Buch eine Fallstudie, die nicht nur dessen prinzipielle Möglichkeit belegen, sondern vor allem dessen spezifische Chancen aufzeigen soll.

Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Das Buch stellt bereits in sich eine Diskussion dar, indem es philosophische Ansätze (so diejenigen Arnold Berleants und Gernot Böhmes) mit künstlerischen Positionen (Bruce Naumann, Ilya Kabakov, Rachel Whiteread u.a.) zusammenführt. Die zentrale Frage lautet: Was würde geschehen, wenn derartige Ansätze sich selbst explizit als transdisziplinären Dialog – als kollaboratives Forschen – verstehen würden? Freuen würde ich mich in diesem Sinn, wenn das Buch im Kreis all derer diskutiert wird, die mit den darin verhandelten Fragen befaßt sind – also neben PhilosophInnen und KünstlerInnen etwa auch ArchitektInnen, SoziologInnen oder Stadt- und LandschaftsforscherInnen.

Ihr Buch in einem Satz?

Oh, das ist eine schwierige Frage. Ein Buch, das sich in einem Satz wiedergeben lässt, wäre wohl redundant. Aber das dem Text vorweggestellte Wittgenstein-Zitat »Denken ist kein unkörperlicher Vorgang [...]« gibt vielleicht einen ganz guten Hinweis auf die allgemeine Stoßrichtung.